Im Rahmen der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen fand am 29. Januar 2026 die Bezirksversammlung für Schaf- und Ziegenhalter in Reichelsheim statt. Die Veranstaltung wurde – wie auch vier weitere Bezirksversammlungen in ganz Hessen – gemeinsam vom Hessischen Verband für Schafzucht und -haltung e. V., dem Hessischen Ziegenzuchtverband e.V. sowie dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) organisiert.
Witterungsbedingt war die Beteiligung in diesem Jahr etwas geringer als noch 2025. Dennoch entwickelte sich eine interessante, fachlich fundierte und aufschlussreiche Veranstaltung, die den anwesenden Tierhalterinnen und Tierhaltern neue Impulse für die Praxis bot.
Themenschwerpunkt Ackerbeweidung und Zwischenfruchtbeweidung
Der fachliche Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf der Ackerbeweidung im Allgemeinen sowie der Beweidung von Winterzwischenfrüchten im Speziellen. Als Referent führte Arnd Ritter, Zuchtberater, mit einem Überblick der Ackerbeweidungsvarianten, das Thema ein.
Die Beweidung von Zwischenfrüchten gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie sowohl ackerbauliche- als auch tierhalterische- Vorteile bieten kann. Zu den Vorteilen zählen unter anderem:
Gleichzeitig wurden auch die Herausforderungen und Risiken offen angesprochen. Dazu gehören mögliche Beeinträchtigungen der Tiergesundheit bei falschem Management, etwa durch:
Arnd Ritter ging ausführlich darauf ein, wie eine Zwischenfruchtbeweidung betriebsspezifisch sinnvoll geplant und umgesetzt werden kann – von der Auswahl geeigneter Pflanzenmischungen über den richtigen Beweidungszeitpunkt bis hin zu Fragen der Tierkontrolle und Flächenführung.
Aktuelles zur Tiergesundheit
Wie in den vergangenen Jahren nahm auch das Thema Tiergesundheit einen wichtigen Platz auf der Tagesordnung ein. Sarah Schmid (TA der JLU Gießen) stellte das kürzlich ausgelaufene Hessenprojekt vor, in dessen Rahmen unter anderem ein Zuchtwert für Parasitenresistenz auf den Weg gebracht wurde.
Gerade vor dem Hintergrund der begrenzten Verfügbarkeit wirksamer Wurmmittel ist dieser Ansatz besonders zukunftsweisend. Die Zucht auf robuste und widerstandsfähige Tiere kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Schaf- und Ziegenhaltung leisten.
Umso erfreulicher ist es, dass die Tierklinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenkunde der JLU Gießen gemeinsam mit den Verbänden, die Genehmigung eines Folgeprojektes erhalten hat. Damit kann Hessen dieses wichtige Thema weiter vorantreiben und die Forschung eng mit der Praxis verzahnen.
Selbstverständlich wurde auch auf die aktuelle Seuchenlage eingegangen. Insbesondere die Empfehlungen zur Impfung gegen BTV-3 und BTV-8 wurden ausführlich erläutert. Fragen der anwesenden Tierhalterinnen und Tierhalter konnten direkt und praxisnah beantwortet werden.
Im Tagesordnungspunkt „Aktuelles aus den Verbänden“ wurde deutlich, wie vielfältig sich der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e. V. sowie der Hessische Ziegenzuchtverband e.V. aktuell für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen.
Ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit liegt derzeit auf der Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028. Hierzu wurden bereits EU-Agrarabgeordnete angeschrieben und ein Forderungspapier an Minister Jung sowie Staatssekretär Ruhl übergeben, um frühzeitig auf die besonderen Belange der Weidetierhaltung aufmerksam zu machen. Ziel ist es, Planungssicherheit und praktikable Rahmenbedingungen für Schaf- und Ziegenhalter zu erreichen.
Die Verbände verstehen sich als Schnittstelle zwischen Praxis, Politik und Institutionen und als zentrale Anlaufstelle für fachliche Fragen aus der Tierhaltung. Voraussetzung für eine wirksame Interessenvertretung ist dabei, eine breit aufgestellte und starke Mitgliederschaft die den Verbänden politisches Gewicht verleiht.
Neben der politischen Arbeit profitieren Mitglieder aber auch ganz konkret:
So können Mitglieder des HVSZH jährlich vier, Mitglieder des HZZV zwei Kotproben kostenlos in der Tierklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen untersuchen lassen. Ergänzt wird das Angebot durch weitere Kooperationen, unter anderem im rechtlichen Bereich.
Ein weiteres zentrales Anliegen der Verbände ist die Öffentlichkeitsarbeit. Schaf- und Ziegenhalter stehen mit ihren Tieren tagtäglich in der Öffentlichkeit – auf Weiden, an Wegen, in Naturschutzflächen. Die Weidetierhaltung prägt das Landschaftsbild Hessens maßgeblich. Umso wichtiger ist es, sichtbar zu machen, wer wir sind, wofür wir stehen und welchen Beitrag wir gemeinsam mit unseren Tieren für Biodiversität, Kulturlandschaft und den ländlichen Raum leisten.
Ohne das Engagement der Betriebe, sähe Hessen in weiten Teilen anders aus.
Bericht +Foto: KL
Am Samstag, den 04.10.2025 war es so weit, die Landesherdbuchschau des hessischen Verbandes für Schafzucht und-haltung e.V. fand nach 6 Jahren wieder statt. Im Exportstall der Qnetics in Alsfeld wurden Hessens beste Zuchtschafe präsentiert und prämiert. Über 150 hoch qualitative Zuchtschafe verteilt auf 15 Rassen aus 22 Zuchtstätten waren gemeldet und repräsentierten die große Rassevielfalt in Hessen.
Als Preisrichter haben der passionierte Fuchsschafzüchter Herr Stephan Graf aus Bayern die Landschafe prämiert und Herr Klaus Michels, Vorsitzender Rheinland-Pfalz die die Fleischschafe bewertet.
Am stärksten waren die in Hessen heimischen Coburger Fuchsschafe und die Rhönschafe vertreten.
Bei den Coburger Fuchsschafen wurden 18 Schafe aus den Zuchten Bangert, Heintz und Lehmann aufgetrieben. Die Katalognummer 96 aus der Zucht Bangert wurde Siegerschaf und bestes Landschaf über alle Rassen, die Katalognummer 102 aus der Zucht Lehmann wurde mit dem begehrten Titel der Wollsiegerin ausgezeichnet. Die Siegersammlung der Coburger Füchse kam ebenfalls aus der Zucht Lehmann.
14 Rhönschafe aus den vier Zuchtstätten Heintz, Bangert, Bässe und Sinner traten in Konkurrenz um das beste Rhönschaf. Die Traditionszucht Heintz konnte sich hier mit dem Siegerschaf (Katalognummer 77), dem Wollsieger (Katalognummer 78) und der Siegersammlung der Rhönschafe durchsetzen.
Auch die Leineschafe waren mit den zwei Zuchtstätten Winter und der Zuchtgemeinschaft Kempe Götz mit 11 Schafen vertreten. Siegerschaf (Katalognummer 111), Wollsieger (Katalognummer 117) und Siegersammlung gingen kamen aus der ZG Kempe Götz.
Die Zuchtgemeinschaft Müller präsentierte fünf Schafe aus ihrer Scottish Blackface Zucht. Wobei der überragende Bock mit der Katalognummer 121 nicht nur Wollsieger, sondern auch der beste Landschafbock und schließlich als Mr. Hessen, bester Bock der Landesherdbuchschau über alle Rassen, ausgezeichnet wurde.
Auch die mit dem diesjährigen Staatsehrenpreis ausgezeichnete Christel Simantke präsentierte eine Auswahl ihrer Walachen Schafe, wobei die Katalognummer 130 als Siegerschaf und Wollsiegerin den Preisrichter Graf überzeugte.
Die kleinste Schafrasse, die Ouessantschafe, durften bei der Schau natürlich auch nicht fehlen und wurde durch die Zuchtstätten Hadasch, Repper, Walter und Wirth vertreten. Die Ouessantschafe machten es dem Preisrichter Stefan Graf aus Bayern nicht leicht. Siegerbock (Katalognummer 150) und Wollsieger (Katalognummer 151) kamen aus der Zucht Walter, während die Siegersammlung aus der Zucht Hadasch kam.
Auch die Bergschafrassen waren mit den Zuchten Amend - Tiroler Bergschafe - und Jona Heintz - Braune Bergschafe - vertreten und rundeten das breite Rasse-Spektrum der Landschafe ab.
Stephan Graf hatte sichtlich Freude an der hessischen Vielfalt der Landschafrassen. Als die züchterisch herausforderndste Aufgabe, die Kür der Landesherdbuchschau, wurde schließlich die Siegersammlung über alle Landschafrassen ausgewählt. Die Konkurrenz war groß und Graf hatte es nicht einfach die einheitlichste Sammlung auszuwählen. Die Zuchtstätte Heintz wurde mit ihren Rhönschafen schließlich vor der Zuchtgemeinschaft Kempe Götz (LES) als Siegersammlung der Landschafe ausgezeichnet.
Bei den Fleischschafen waren die Rassen Schwarzköpfiges Fleischschaf, Suffolk, Charolais Shropshire Zwartbles und Kerry Hill vertreten.
Zudem präsentierte die Zuchtstätte Rudnik Becker Merinolandschafe in top Ausstellungskondition, sodass die Katalognummer 8 nicht nur Siegerschaf der Merinolandschafe, sondern auch über alle Fleischschafrassen und als Mrs. Hessen das beste Schaf über alle Rassen wurde.
Bei den Schwarzköpfigen Fleischschafen traten die Zuchten Schönfeld und Amend in Konkurrenz, wobei sich erstere mit der Katalognummer 20 als Siegerschaf und der Siegersammlung durchsetzen konnte.
Die Suffolks waren mit den Zuchten Bässe, Born und Kempe vertreten. Das beste Suffolk-Schaf stammte aus der Zucht Bässe (Katalognummer 33), die Siegersammlung aus der Zucht Born.
Bei den Charollais konnte die Katalognummer 42 von Thomas Bässe als bestes Schaf und Fleischsieger überzeugen.
Die Zuchtstätten Kesting und Koch präsentierten ihre sehr gut herausgebrachten Shropshire und machten dadurch Klaus Michels die Prämierung nicht einfach. Der korrekte und fleischige Shropshire-Bock aus der Zuchtstätte Koch (Katalognummer 44) wurde 1a Bock und als bester Bock über alle Fleischschafrassen ausgezeichnet. Die Siegersammlung und das Siegerschaf ging an Familie Kesting.
Die Zwartbles-Schafe waren durch die Zuchten Bär/Bässe und Vallbracht vertreten, die sowohl den amerikanischen als auch den englischen Typ vorstellten. Die Katalognummer 58, ein großrahmiges Mutterschaf von Vallbracht wurde als Siegerschaf ausgezeichnet, während Fleischsieger und die Siegersammlung an Bär/Bässe ging.
Zum krönenden Abschluss stellte die amtierende hessische Schäferkönigin Lisa Kinzenbach die englische Rasse Kerry Hill aus der Zuchtgemeinschaft Repper Kinzenbach vor.
Auch bei den Fleischschafen traten zum Abschluss alle Siegersammlungen gegeneinander an und es wurde die rasseübergreifende Sammlung prämiert. Um den Sieg rangen im Finale die Zuchtstätten Rudnik/ Becker (MLS) und Bässe (CHA), wobei die Merinolandschafe etwas einheitlicher waren und als Siegersammlung über alle Fleischschafrassen ausgezeichnet wurden.
Ich freue mich, dass viele Zuchten an der Landesherdbuchschau teilgenommen und ihre besten Zuchttiere präsentiert haben.
Ein großes Dankeschön an alle helfenden Hände, die an der Organisation, sowie Auf- und Abbau beteiligt waren.
Mein herzlichster Glückwunsch an alle Sieger und weiterhin viel Freude und Erfolg in der Schafzucht.
|
Prämierung Fleischschafe |
Züchter |
Katalognummer |
|
Merinolandschaf - MLS |
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|
Siegerschaf |
Rudnik/Becker |
8 |
|
Wollsierger |
Rudnik/Becker |
1 |
|
Fleischsieger |
Rudnik/Becker |
10 |
|
Schwarzköpfiges Fleischschaf - SKF |
||
|
Siegerschaf |
Schönfeld |
20 |
|
Fleischsieger |
Schönfeld |
27 |
|
Siegersammlung |
Schönfeld |
17,20,18 |
|
Suffolk - SUF |
||
|
Siegerschaf |
Bässe |
33 |
|
Fleischsieger |
Born |
28 |
|
Siegersammlung |
Born |
37,38, 39 |
|
Charollais - CHA |
||
|
1a & Fleischsieger |
Bässe |
42 |
|
Shropshire - SHR |
||
|
Siegerschaf |
Kesting |
46 |
|
Fleischsieger |
Koch |
44 |
|
Siegersammlung |
Kesting |
50,52,53 |
|
Zwartbles - ZWS |
||
|
Siegerschaf |
Vallbracht |
58 |
|
Fleischsieger |
Bär/Bässe |
54 |
|
Siegersammlung |
Bär/Bässe |
55,56,57 |
|
Kerry Hill - KEH |
||
|
Fleischsieger |
Kinzenbach/Repper |
62 |
Bericht: KG Bilder: KG + KL
Die hessische Landesherdbuchschau am 4.10.2025 kann leider nicht in der Reithalle in Butzbach stattfinden. Daher findet ein Ortswechsel der Landesherdbuchschau nach Alsfeld in den Exporthalle statt. Der Termin, 4.10.2025 bleibt bestehen.
Die Züchter und Zuschauer erwartet eine große Rassevielfalt.
Für die Landesherdbuchschau sind über 150 Zuchtschafe der Rassen Merinoland- & schwarzköpfiges Fleischschaf, Suffolk, Charolais, Kerry-Hill, Scottish Blackface, Shropshire, Zwartbles sowie die in Hessen typischen Rassen Coburger Fuchs, Rhön- & Leineschaf gemeldet. Zudem werden Walachen-, Walliser Schwarznasen-, Ouessantschafe und Braune- & Tiroler Bergschafe erwartet.
Wir freuen uns als Preisrichter für die Fleischschafrassen Klaus Michels (Rheinland Pfalz) und für die Landschafe Stephan Graf (Bayern) bei unserer Landesherdbuchschau begrüßen zu dürfen.
Zeitplan für den 4.10.2025 in Alsfeld:
Auftrieb 7:30 bis 9 Uhr
Prämierung ab 9:30 Uhr
Im Anschluss findet die Siegerehrung statt.
Neben der Prämierung der besten Zuchttiere innerhalb der einzelnen Rassen, gibt es als Finale die Siegersammlung jeweils der Land- und Fleischschafe, sowie das beste Schaf und den besten Bock über alle Rassen als Mr. & Mrs. Hessen.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Text: KG
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Ausbildung zum Schäfer/Schäferin
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